Ing. Lucie Humeni
Die Luzerne (Medicago sativa) gehört zu den mehrjährigen Leguminosen mit hohem Ertragspotenzial und einem sehr guten Nährwert. Typisch sind die dreizähligen Blätter und die violetten Blüten, die je nach Standortbedingungen und Schnittregime meist von Mai bis September erscheinen. Dank ihres tiefreichenden Wurzelsystems verträgt sie trockenere Perioden gut.
Aus Sicht der Ernte ist die Wachstumsphase entscheidend. Den höchsten Nährwert erreicht der Bestand im Stadium des Beginns der Knospenbildung (Phase, in der sich die Blütenknospen zu bilden beginnen) bis zum frühen Blühstadium. Für die Herstellung von Heulage wird die Luzerne eher früher geerntet (typischerweise im Mai bis Juni beim ersten Schnitt), um eine höhere Verdaulichkeit und einen höheren Energiegehalt zu erhalten. Heu wird bei stabilerem Wetter hergestellt, meist von Juni bis August. Mit jedem weiteren Schnitt verändert sich dabei das Verhältnis von Blättern zu Stängeln.
Nährwert und sensorische Eigenschaften
Luzerne zeichnet sich durch einen hohen Proteingehalt (etwa 16–22 % in der Trockenmasse), einen hohen Calciumgehalt und einen relativ niedrigen Gehalt an Nichtstrukturkohlenhydraten aus. Der Rohproteingehalt von Luzerne liegt ungefähr zwischen 127–139 g/kg Trockenmasse, während er bei Wiesenheu deutlich niedriger ist (etwa 79–88 g/kg). Neben dem reinen Nährstoffgehalt ist auch deren Verwertbarkeit von entscheidender Bedeutung, die eng mit dem Blattanteil zusammenhängt. Die Blätter sind die Hauptträger der Nährstoffe, während ein höherer Anteil lignifizierter (verholzter) Stängel die Verdaulichkeit verringert. Vereinfacht gesagt: Je höher der Blattanteil, desto höher ist die Verdaulichkeit des Futters.
Hochwertiges Luzerneheu hat eine kräftig grüne Farbe, einen angenehmen, leicht süßlichen Geruch und einen hohen Blattanteil. Leider gehen die Blätter sehr häufig durch Abrieb und Bröckelverluste verloren, sodass es schwierig ist, hochwertiges Luzerneheu herzustellen. Erhöhte Staubbildung, eine graue Färbung oder ein muffiger Geruch weisen auf eine ungeeignete Lagerung oder einen Qualitätsverlust hin. Bei Heulage ist eine stabile Fermentation (Gärung) ohne Schimmelbildung erwünscht, mit einem leicht säuerlichen Geruch.
Vergleich der verschiedenen Luzerneprodukte:
Im Vergleich zu Wiesenheu weist Luzerne eine höhere Konzentration an Protein und Calcium auf, während Grasbestände ein vielfältigeres Artenspektrum und in der Regel eine geringere Nährstoffdichte bieten. Heulagen aus Grasbeständen weisen auch hinsichtlich ihres Nährstoffgehalts eine größere Variabilität auf.
Im Gegensatz zu Gräsern enthält Luzerne einen höheren Anteil an leicht fermentierbaren Faserstoffen. Im Blinddarm führt dies zu einer anderen mikrobiellen Fermentation und damit auch zu einer veränderten Bildung flüchtiger Fettsäuren, die dem Pferd als Energiequelle dienen.
Eignung für verschiedene Pferdekategorien
Die Aufnahme von Luzerne ist vor allem bei Pferdekategorien sinnvoll, die einen höheren Bedarf an hochwertigem Protein haben – also bei wachsenden Pferden, laktierenden Stuten oder Sportpferden unter intensiver Belastung. Gleichzeitig muss das gesamte Calcium-Phosphor-Verhältnis der Ration berücksichtigt werden.
Bei Pferden mit Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz oder Equinem Metabolischem Syndrom hängt die Eignung vor allem von der konkreten chemischen Zusammensetzung des Futters ab. Luzerne kann in manchen Fällen geeigneter sein als Grassilage mit einem höheren Zuckergehalt, jedoch lassen sich ohne Laboranalyse keine eindeutigen Schlussfolgerungen ziehen. Ein ähnlicher Ansatz gilt für Pferde mit Cushing-Syndrom, bei denen insbesondere der Gehalt an Nichtstrukturkohlenhydraten berücksichtigt werden sollte. Luzerne kann Bestandteil der Ration sein, sollte jedoch in der Regel nicht den überwiegenden Anteil ausmachen.
Ein besonderer Anwendungsbereich ist die Fütterung von Pferden mit Magengeschwüren. Der höhere Calcium- und Proteingehalt trägt zur Pufferkapazität des Futters bei und kann dazu beitragen, das Magenmilieu zu stabilisieren, insbesondere wenn Luzerne vor der körperlichen Belastung verfüttert wird.
Bei Sportpferden muss außerdem auf das Risiko einer Kontamination mit unerwünschten Substanzen hingewiesen werden. Alkaloide wie Atropin oder Scopolamin können durch Verunreinigungen mit anderen Pflanzen während der Ernte in das Futter gelangen. Diese Substanzen werden im Rahmen von Dopingkontrollen überwacht. Daher ist die Herkunft des Futters von besonderer Bedeutung.
Empfohlene Dosierung
Die Menge an Luzerne sollte immer auf Grundlage der gesamten Rationszusammensetzung und des individuellen Bedarfs des jeweiligen Pferdes festgelegt werden.
Als Orientierung für ein Pferd mit einem Körpergewicht von 500 kg:
Die Gesamtaufnahme an Raufutter sollte mindestens 1,5–2 % des Körpergewichts pro Tag betragen, wobei Luzerne in der Regel nur einen Teil dieser Ration ausmacht.
Fazit
Luzerne stellt eine nährstoffreiche Komponente innerhalb der Raufutterversorgung dar und eignet sich insbesondere für Pferde mit einem erhöhten Proteinbedarf. Bei der Auswahl der jeweiligen Form sollten nicht nur die Kategorie und der Bedarf des Pferdes, sondern auch die Qualität und Zusammensetzung des Futters berücksichtigt werden.
Quellen
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